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Weltweit 1. vegane Ultramarathonstaffel B12

07.05.2013 08:00

Organisator Mark Hofmann im Interview

Mark Hofmann

Leistungssport und vegane Ernährung, geht das? Veganer sehen sich häufig Vorurteilen gegenüber: Angeblich nicht genügend Vitamine und Nährstoffe, zu wenig Calcium, kränklich, blass und energielos! Wie sollen Sie da einen Marathon von insgesamt 440km überstehen?

Genau diesem Vorurteil will der vegane Marathonläufer Mark Hofmann entgegen wirken, Aufmerksamkeit für die Verbindung vegane Ernährung & Sport schaffen und gleichzeitig Spenden für den Gnadenhof Hof Butenland sammeln. Ein Projekt, das schon jetzt weite Kreise zieht.

In einem Interview wollten wir mehr von Mark Hofmann erfahren:

 

lifefood: Lieber Mark, stell dir vor, ein vollkommen fremder Mensch springt Dir während Deines Trainings in den Weg und sagt: Du hast jetzt die Möglichkeit die Welt zu verändern! Was wären die drei Dinge, die Du als erstes ändern würdest?

Mark Hofmann: Nun, zu allererst würde mir wünschen, dass die Menschheit empathischer wird. Jeder sollte wieder in der Lage sein, sich in andere fühlende Wesen hineinzuversetzen und diese Emotion auch zuzulassen. Meiner Meinung nach würden sich dann schon sehr viele unserer Probleme in Wohlgefallen auflösen.
Als Zweites wäre es mir ein Anliegen, dass die Profitgier, das Streben nach immer mehr, nach der unbedingten Maximierung des Gewinns aufhört. Unsere Ressourcen sind begrenzt, es gibt natürliche Grenzen des Wachstums und hinter ihnen wartet nichts Gutes auf uns.
Und als letztes würde ich mir wünschen, dass mir keine fremden Menschen mehr aus heiterem Himmel in den Weg hüpfen und mir einen halben Herzinfarkt verpassen!

 

lifefood: Du bist Marathonläufer, was zeichnet Dich und Deinen Sport aus? Was ist das Besondere?

Mark Hofmann: Oh, es gibt viele Dinge, die mich am Langstreckenlauf reizen und faszinieren. Zum einen sind das die häufigen und extensiven Trainingseinheiten. Man ist lange Zeit für sich allein und ist - sofern ohne Musik unterwegs - gezwungen, sich mit sich selbst zu konfrontieren. Erstaunlich, was da so alles zu Tage kommt...
Was mich im Speziellen auszeichnet, kann ich nicht beantworten, da müsstest Du bitte andere Leute fragen. Ich weiß nur, dass mich der Ausdauersport Durchhaltevermögen und Disziplin lehrt. Und das sind zwei Eigenschaften, die man auch im Alltagsleben gut gebrauchen kann.

 

lifefood: Die weltweit 1. Vegane Ultramarathonstaffel B12 wird von Dir organisiert, welche Bedeutung hat dieses Projekt für Dich?

Mark Hofmann: Die Staffel ist mir seit Anbeginn der Planung im März 2012 in der Tat immer mehr ans Herz gewachsen. Es war schön zu sehen, wie aus einer spontanen Idee etwas wuchs, was tatsächlich auf größeres Interesse stößt. Und damit meine ich nicht nur bei Läufern an sich, sondern auch in den Medien. So hat beispielsweise bereits die Runner's World, die Running und der Spiegel über meine Person und die Staffel berichtet.
Mit dem Wachstum der Aktion wuchsen auch meine diesbezüglichen Ziele, welche ich mir auf verschiedenen Ebenen gesetzt habe. Zum einen möchte ich mein persönliches sportliches Ziel erreichen. Es ist mir wichtig, dass ich diesen Lauf problemfrei und mit einem Lächeln im Gesicht absolvieren kann. Ich möchte Spaß an der Sache haben.
Zum anderen habe ich ein organisatorisches Ziel. Ich möchte, dass sämtliche Läufer unbeschadet das Ziel erreichen und weder sie selbst noch andere Verkehrsteilnehmer beeinträchtigt oder gar verletzt werden. Ich möchte, dass die 1. Vegane Ultramarathonstaffel B12 für jeden Beteiligten ein unvergessliches Erlebnis wird.
Am wichtigsten ist mir jedoch, dass die Aktion wahrgenommen wird. Ich wünsche mir, dass durch diesen Lauf etwas passiert. Es soll ein Zeichen für die Vereinbarkeit von rein pflanzlicher Ernährung und Sport gesetzt werden. Ich wünsche mir, dass dieses Ereignis als Argument herhalten kann, wenn wieder einmal jemandem unterstellt wird, ohne Fisch, Fleisch, Milch, Eier oder Honig würde einem “etwas fehlen” und man ginge fahrlässig mit seinem Körper um.

 

lifefood: Was genau verbirgt sich hinter dem Titel?

Mark Hofmann: Es ist ein Wortspiel hinsichtlich der Bundesstraße 12 einerseits und dem Vitamin B12 andererseits. Letzteres steht oftmals im Fokus von Ernährungswissenschaftlern und Kritikern der veganen Ernährung.

 

lifefood: Wie kam es dazu, dass Du Dich entschlossen hast diesen Lauf zu organisieren?

Mark Hofmann: Ich erinnere mich, dass ich eines Tages in der Küche stand und Radio hörte. Dort wurde von einem “Stau auf der B12″ berichtet. Ich dachte mir sofort, dass es aus dem oben genannten Grund eine tolle Sache wäre, gerade diese Bundesstraße als Veganer entlang zu laufen. Nach kurzer Recherche kam dann allerdings heraus, dass die B12 440 km lang ist. Das würde ich alleine erstmal nicht schaffen, also brauchte ich Unterstützung für dieses Vorhaben. Es haben sich sehr schnell (dem Internet sei Dank) einige Interessenten gemeldet und so war mir relativ schnell klar, dass es ein Staffellauf werden sollte.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Staffel mit 40 veganen Läufern, in neun Gruppen aufgeteilt, ausgebucht. Jede dieser Gruppen läuft 50 km entlang der B12 und wird somit ein Zeichen setzen für die unbedingte Vereinbarkeit von Veganismus und Sport, für Tierrechte und Gesundheit, sowie für Umwelt und Moral. Des Weiteren freue ich mich über die Zusammenarbeit mit den verschiedensten tierrechtlich aktiven Organisationen wie PETA und Sea Shepherd, sowie mit den veganen Firmen lifefood und rohkostgalerie.de, welche die Staffel mit rohköstlichen Snacks und Getränken versorgen werden.

 

lifefood: Was ist das Faszinierendste, was du während der Organisation erlebt hast?

Mark Hofmann: Die Unterstützung meiner Frau, die mir neben unserem Kind, meinem Beruf und meinen umfangreichen Trainings auch noch die Unterstützung und Zeit schenkte, welche ich benötigte um dieses Projekt zu verwirklichen.

 

lifefood: Wirst Du selbst mitlaufen?

Mark Hofmann: Oh ja! Das lasse ich mir das bestimmt nicht entgehen. Ich laufe den letzten Abschnitt.

 

lifefood: Was sind die Voraussetzungen, um an der Ultramarathonstaffel teilzunehmen?

Mark Hofmann: Jeder, der sich seit längerem vegan ernährt, mindestens 18 Jahre alt ist und die entsprechende Erfahrung im Langstreckenlauf aufweisen konnte, durfte sich anmelden. Die Staffel ist allerdings bereits ausgebucht. Wer sich noch anmelden möchte, dem kann ich also derzeit nur einen Platz auf der Warteliste anbieten.

 

lifefood: Sind Zuschauer erwünscht? Und wenn ja, was dürfen sie erwarten?

Mark Hofmann: Selbstverständlich sind Zuschauer erwünscht. Wenn niemand zusehen würde, dann würde die Sache komplett ihren Zweck verfehlen. Die Sache lebt ja durch die Aufmerksamkeit, die sie sowohl an der Strecke als auch in den Medien erfährt.
Was sie erwarten können? Nun ja, vierzig relativ extreme Läufer in ihrer natürlichen Umgebung. Extrem hinsichtlich ihres Sportes, nicht der Ernährung. 50 Kilometer am Stück zu laufen ist bestimmt eine extreme Form der Selbstfindung, sich vegan zu ernähren allerdings ist die Abwendung vom Extremen, die Abwendung von der Fleisch- und Milchindustrie und all ihrer Abscheulichkeiten.

 

lifefood: Gibt es noch etwas, dass Du mit unseren Lesern teilen möchtest?

Mark Hofmann: Es wurde mir gegenüber immer wieder geäußert wie toll es doch sei, dass ich eine solche Veranstaltung schaffen würde und wie schwierig dies doch bestimmt alles ist. So sehr ich mich auch über positives Feedback freue, so sehr muss ich auch gestehen, dass ich mir zu keinem Zeitpunkt darüber bewusst war, dass es ein großes, schwieriges oder umfangreiches und anstrengendes Projekt sein könnte. Ich hatte einfach die Idee und habe es einfach gemacht. Und das möchte ich jedem der Wert auf meinen Rat legt, empfehlen: wer eine gute Idee hat, der möge bitte nicht reden, sondern es einfach machen. Keine Furcht vorm Scheitern haben, sondern einfach machen. Einfach machen.

Mehr Informationen zur 1. Veganen Ultramarathonstaffel B12 findest du hier.

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