lifefood.de Blog Artikel

Was auch immer geschehen wird, wird geschehen...

07.01.2014 08:00

lifefood Gründerin Tereza Havrlandova im Interview mit Wise Business of Women.

Wise Business of Women: Am Anfang der Geschäftsidee stand Terezas süßer Zahn. Heute ist ihr Unternehmen ein einzigartiger Produzent von veganen Rohkostprodukten und beschäftig knapp hundert Mitarbeiter, welche fürs In- und Ausland produzieren. Ihre Visionen für die Zukunft? "Ich habe keine besonderen Ziele. Es ist eher interessant zu sehen, wie weit sich alles entwickeln wird. Ich schwimme mit dem Strom. Wo auch immer er mich hinbringen wird, wird er mich hinbringen." Tereza und ihre Firma sind der lebendige Beweis, dass eine kraftvolle, weibliche Lebenseinstellung, die Chaos und Intuition beinhalten, erfolgreich sein kann. Treffen Sie Tereza, lifefood Gründerin, Inhaberin und Direktorin für kreative und strategische Unternehmensentwicklung.

Tereza reiste und lebte im Ausland - in Frankreich, Neuseeland, Australien, Amerika. Dort trifft sie zum ersten Mal auf Bio-Produkte, gesunde frische Lebensmittel. Schnell verliebte sie sich in den Fruitarismus, bei welchem man lediglich frische, thermisch und chemisch unveränderte Rohkost, also lebendige Nahrung, zu sich nimmt. Zurück in Tschechien wollte sie nicht auf die spührbaren Vorteile der Rohkost verzichten. Leider entsprach das lokale Angebot nicht ihren Ansprüchen. Der tschechische Bio-Markt steckte noch in den Kinderschuhen und das Angebot an Obst und Gemüse war nicht ausreichend. So beschloss Tereza noch während ihres Studiums (später machte sie ihren Abschluss an der Rechtsfakultät der University of Economics in Prag) Produkte aus dem Ausland zu importieren und diese zu verkaufen.

"Es war sicher nicht meine Absicht, ein Unternehmen zu gründen, welches die heutige Größe erreicht und so viele Mitarbeiter einzustellen. Am Anfang lieferte ich die Waren allein zu den Geschäften. Die Produkte bewahrte ich zuhause auf oder mietete Lagerräume, bei denen ich pro Tag und Palette zahlte. Zuerst importierte ich Superfoods (sogenannte Superfoods, wertvolle natürliche Nährstoffquellen, die vor allem Vitamine und Mineralstoffe beinhalten), Spezialitäten wie Gerstengras, Kakaobohnen und Algen." Trotzdem waren das keine Nahrungsmittel, die sich als Mittagsessen oder Snack eigneten. Tereza wusste, dass es in den USA eine große Menge an frischen, rohen Produkte gab, von denen man sich täglich ernähren kann. Diese zu importieren hätte ein Vermögen gekostet. So erschien es der beste Weg die Produkte hier, lokal, in Tschechien zu produzieren. "Ich habe darüber nachgedacht eine externen Firma zu finden, welche für mich, nach meinen original Rezepten und Zutaten produziert. Meine eigene Produktion zu eröffnen, erschien wie ein schreckliches Massaker. Aber es hat nicht funktioniert - die Qualität der externen Firma war durchschnittlich, es mangelte an Kommunikation, um es einfach zu sagen, es war nicht das, was ich erwartet hatte. Schließlich sagte ich mir, dass es nur eine Möglichkeit gibt: meine eigene Produktion zu eröffnen. Ich wurde von zwei Freunden unterstützt und zusammen kreierten wir das erste Rezept. Ich fand eine alte Bäckerei im Hinterhof eines alten Hauses mitten in Prag. Die bestehenden Backöfen wurden umgebaut, um bei maximal 42° C verwendet werden zu können, um auch alle Nährstoffe zu erhalten. Wir fanden unsere ersten Mitarbeiter und begannen. Wenn ich mich jetzt an alles erinnere, war es eine sehr abenteuerliche Zeit.“ Das war 2007.

Die folgenden drei oder vier Jahre waren eine Herausforderung für Tereza. "Ich hatte keinen einzigen Tag frei, arbeitete sieben Tage die Woche, 16 Stunden am Tag. Aus dem Bett an den Computer und in die Arbeit und wieder ins Bett. Es war schrecklich, aber es gab keine Möglichkeit diesen Kreislauf zu unterbrechen. Ich lieh mir eine Menge Geld und nahm ein sehr hohes finanzielles Risiko auf. Mit jedem Tag, mit denen sich die monatlichen Zahlungen näherten, stieg der Stress und die Anforderung, in der Lage zu sein, die Löhne für meine Arbeiter innerhalb meines Überziehungsrahmens zu zahlen. Das einzige, an was ich denken konnte, war die Angst davor so eine große Menge Geld nicht zurückbezahlen zu können, bevor ich sterbe." Ein erstes Anzeichen, dass die Dinge sich veränderten war der Moment, als ohne Anstrengungen noch genug Geld für die Löhne blieb. Monat für Monat konnten wir unsere Gelder akkumulieren, bis wir langsam, aber stetig auf Null kletterten. Im Jahr 2011 schrieben wir das erste Mal schwarze Zahlen. Seitdem werden wir besser und besser."

Gab es in diesen harten Jahren etwas Positives? "Ich kann nicht sagen, dass es etwas Positives oder Negatives gab, jede Erfahrung war eine Erfahrung. Ich habe sie alle gemacht." Hättest Du etwas anders machen können, um diese Erfahrungen zu erleichtern? "Ich hätte vielleicht langsamer, mit besseren Finanzierungsquellen arbeiten können. Aber wie ich einmal bei einem Vortrag so schön sagte: Wenn Du den Wunsch hast etwas zu tun, dann musst Du dich ins Leben stürzen, ohne zu viel über die Vor- und Nachteile zu spekulieren. So bin ich." Das Ergebnis dieses Stürzens ist nicht nur ein Importunternehmen, sondern viel mehr eine Produktion für perfekte Rohkostprodukte - Kuchen, Kekse, Energieriegel, Schokolade, Nuss-Produkte und Samen, neuerdings auch Brot oder Pfannkuchen.

Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass sich dank lifefood die Idee der Rohkost-Bewegung schnell verbreitet. Das Unternehmen expandiert ins Ausland, hat seine eigene Vertriebs- und Promotionkanäle in den Niederlanden, Deutschland und Frankreich, es gibt eine kooperierende Firma in Großbritannien. lifefood Produkte werden in zwanzig EU-Ländern verkauft. Das ist bemerkenswert, unter anderem weil das Unternehmen nie auf die klassischen Werbekampagnen setzte: "Werbung hat viele Formen und eine der wichtigsten ist das Produkt selbst", sagt Tereza. "Ist es bereits Werbung, dass ich ein lifefood T-Shirt trage? Wir werden nicht auf Plakaten oder im Fersehen werben, diese Vertriebskanäle machen keinen Sinn. Es sind der Geschmack und die perfekte Qualität des Produktes, die zählen. Uns sind vor allem Design und Messepräsenz wichtig." Apropos Design: es ist elegant, originell, geschmackvoll. "Eines Tages stellten wir fest, dass wir raus müssen aus dem langweiligen Standard und eintönigem Bio-Design. Wir wollten anders sein und zeigen, dass gesunde Nahrung auch sexy sein kann.“

"Und Messen? Ja, das ist eine herausfordernde Aufgabe. Du musst den Stand bauen, ihn originell und attraktiv gestalten und dann für mehrere Tage von morgens bis abends dort sein, in einem geschlossenen Raum, ohne Tageslicht. Nachts wird alles im Auto gestapelt und am nächsten Morgen geht es von vorne los." Dennoch war es die regelmäßige Teilnahme an renommierten Messen (z.B. der BioFach in Deutschland und der Organic Products Expo in London), die die meisten Erfahrungen und Fähigkeiten brachten. Nicht zu vergessen, dass die Konkurrenz nicht schläft. "Gesunde Konkurrenz ist in Ordnung, sie motiviert. Aber es gibt auch Unternehmen, die uns nachahmen und Produkt und Rezepte kopieren. Rechtlich kann man da leider nichts machen. Wir waren Pioniere, jetzt entstehen mehr und mehr Rohkost-Unternehmen. Wir gehen vorwärts, erfinden neue Dinge, innovieren neue Technologien.  Alles in allem glaube ich an die positive Energie, die in unserer Arbeit steckt - und die Menschen spüren diese."

Die Art und Weise wie Tereza ihr Unternehmen heute führt, ist ein Traum vieler Entrepreneure, doch wenige Menschen schaffen dieses Happy End von der Pike auf und mit der extremen Arbeitsbelastung. "Ich will die Winter nicht in der Tschechischen verbringen. Die frischen Früchte, das Wetter, die Sonne und der Wind, das sind meine Priorität. Etwa sechs Monate des Jahres bin ich in den Tropen. Meine Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden mussten das akzeptieren. Anders bin ich nicht in der Lage zu funktionieren. 95 Prozent aller Firmenangelegenheiten können über Skype gelöst werden. Die einzige Sache, die auf diese Weise nicht funktioniert, ist die Verkostung und das Riechen, aber dafür habe ich mindestens drei oder vier Menschen, deren Geschmack ich vertraue und natürlich akzeptiere ich die Tatsache, dass sie Fehler machen können. Diese würden ohnehin passieren, unabhängig davon, ob ich vor Ort bin oder nicht. Ein gewisser Prozentsatz an Fehlern ist ganz natürlich."

Betrachtet sie sich selbst als Unternehmer? "In Bezug auf die juristische Definition einer Geschäftsfrau bin ich das wohl. Allerdings würde ich mich nie als Geschäftsmann bezeichnen, der eifrig danach strebt, die höchsten Gewinne und Effizienz zu erwirtschaften. Es war nie mein Ziel einen super-verdienendes Unternehmen zu haben. Ich bin zufrieden, wenn lifefood genug verdient dass ich keine Schulden zu fürchten habe und ein glückliches, normales Leben führen kann. Business-Deals, Verträge, Vereinbarungen – all diese Entscheidungen treffe ich intuitiv mit der Trial-and-Error-Methode. Auch wenn ich an der Universität Ökonomie studiert habe, sind wir dort nie in Kontakt mit der realen Welt gekommen, schon gar nicht mit soetwas speziellem, wie dem Rohkost-Markt.“

Wie wir sehen, kann ein Unternehmen sehr feminin und dynamisch sein. "Seit meiner Kindheit bin ich sehr "männlich", sowohl in der Menge meiner Energie, als auch in meiner Logik. Dank meiner persönlichen Entwicklung wurde ein Teil dieser männlichen Energie umgewandelt, und ich habe begonnen mit dem Strom zu schwimmen und diesem zu vertrauen. Es ist einfach okay, wie es ist. Ich habe gelernt, dass es keinen Sinn macht, zu viel zu pushen und zu versuchen, den natürlichen Fluss umzuleiten. "

Vielleicht ist es das, was den wahren Mut zur Freiheit ausmacht.

Zurück